FDP gegen FDP an der Goldküste„, so lautet der Titel eines fast 1-seitigen NZZ Artikels vom 17. August 2026. Die NZZ schreibt unter anderem: Die FDP hat aus einer Personalie, die im Normalfall kaum als stille Ersatzwahl über die Bühne ginge, ein ordentliches Verwirrungsspiel gemacht. Gleich zwei Kandidaten treten am 27. September mit dem freisinnigen Logo für dasselbe Bezirksrichteramt in Meilen an. Als Konkurrenten in einer Kampfwahl. Der Eine, der Anwalt Roger Büchi betont, dass er „der offizielle Kandidat der FDP“ sei. So steht das prominent auf seinem Flugblatt und seiner Webseite. Alles klar, könnten Wählerinnen und Wähler folgern, dann muss es sich bei seiner Konkurrentin, der Ersatzrichterin Ewa Szczogiel um eine wilde Kandidatin handeln. Doch ihr Unterstützungskomitee spricht eine andere Sprache…Was die Wählerinnen und Wähler von all dem halten, wird man Ende September wissen. Der FDP (Bezirks-) – Präsident Dominique Zygmont versucht es positiv zu sehen und die Affäre zu entschärfen. Er finde es „persönlich sogar in Ordnung, dass das Volk eine Auswahl hat und sein Stimmrecht auch bei einer Richterstelle für einmal an der Urne ausüben kann“. (Ende Zitate NZZ).

De quoi s’agit il?

Die FDP Bezirk Meilen hat „Anrecht“ auf eine Bezirksrichterstelle, welche neu besetzt werden muss. Zwei Kandidaten (siehe oben) stellen sich zur Wahl. An der Nominationsversammlung des FDP-Vorstands Bezirk Meilen setzte sich im 1. Wahlgang Ewa Szczogiel hauchdünn und mit Stichentscheid des Bezirkspräsidenten Dominique Zygmont durch. Nur, offenbar hatten die drei statutengemäss nicht stimmberechtigten-, ebenfalls  anwesenden FDP-Kantonsratsmitglieder aus dem Bezirk Meilen mit abgestimmt. Das Ergebnis wurde angefochten und darauf setzte sich Roger Büchi mit mehr als einer Stimme Differenz durch. Die Parteispitze unter Leitung von Bezirkspräsident Zygmont trug sich zunächst mit dem Gedanken, als Kompromiss beide Kandidaten zu empfehlen. Diese Idee stiess jedoch auch auf Widerstand. worauf die Partei nach Hin und Her allein Büchi nominierte (Details aus dem Artikel der NZZ). Doch die anderen-, grösseren im Bezirk vertretenen Parteien (insbesondere SVP, Die Mitte, SP und Grüne)  hatten inzwischen von zwei interessierten Kandidaten erfahren. Einige hatten schon Ewa Szczogiel vorgeladen und befragt (so die SVP, siehe unten) oder beide Kandidaten, trotz  offiziellem Einervorschlag Büchi, zum Interview eingeladen. Gemäss Informationen Dritter sollen sich die Unterstützer von Szczogiel dahingehend geäussert haben, Büchi’s Interesse sei nicht das Familienrecht (das meistbehandelte Thema am BG Meilen), obwohl Büchi am BG Meilen von 2012 – 2015 als Ersatzrichter – auch in Familienrechtsfällen – und mehrere Jahre als Ersatzrichter am BG Dietikon (2012 – 2026) amtete und derzeit am BG Uster (seit 2013) tätig ist.

Was u. a. die NZZ nicht schreibt ist, dass der Bezirksgerichtspräsident Hans-Peter Meister (SVP) sich klar für die Kandidatur Szczogiel einsetzt und dafür auch vor dem SVP Vorstand energisch plädierte. Warum? Weil ein BG Präsident Wasserträger braucht und besagte Kandidatin, welche derzeit am BG Meilen als leitende Gerichtsschreiberin und Ersatzrichterin tätig ist, ihm tatkräftig zur Hand geht. Dies war schon vor einigen Jahren mit einem anderen Kandidaten (damals für einen Sitz mit SVP-Anspruch) auch der Fall. Besagter Kandidat (kam via GLP und FDP zur SVP) wurde aber vom Bezirksvorstand der SVP nicht nominiert. Nun hat sich aber der Gerichtspräsident Meister zumindest bei seiner Partei durchgesetzt.

Komitees

Kandidatin Szczogiel hat sich die Unterstützung des Bezirkspräsidenten der SVP Meilen, Marc Wachter, u. a. zusammen mit SVP-Kantonsrätin Marion Matter, ihrem Ehemann Nationalrat Thomas Matter, Kantonsrat und SVP-Kantonalparteipräsident Domenik Ledergerber sowie den drei FDP-Kantonsräten aus dem Bezirk Meilen, Fuchs, Hoss und Agosti, alt Kantonsrätin und alt Fraktionspräsidentin Beatrix Frey-Eigenmann, FDP, der Präsidentin der FDP Frauen Kanton Zürich, Fabienne Farner, Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch (parteilos) und von Christoph Hiller Gemeindepräsident Meilen (FDP), gesichert. Szczogiel  wird ebenfalls von den Kantonsräten Rafael Mörgeli, SP (Neffe und politischer Gegenpool von alt NR Christoph Mörgeli, SVP) sowie dem Fraktionspräsidenten und Kantonsrat der Grünen, Thomas Forrer sowie mehreren Frauen vom links-liberalen Flügel der FDP unterstützt.

Kandidat Büchi wird von einem fast gleich grossen-,  u. a. von den Nationalräten Dr. Beat Walti (FDP) und Dr. Nina Fehr Düsel (SVP), Dr. Heinrich Andreas Müller, alt Obergerichtspräsident des Kt. Zürich, Oberrichter und ehem. Präsident des Handelsgerichts des Kt. Zürich, Roland Schmid (SVP), RA Dr. Christoph Nater (FDP), alt Staatsanwältin Brigitte Eisenring-Niederer (parteilos), Dr. Manuel Bauer, Gemeinderat und Unternehmer, Hansjörg Vonrufs, Unternehmer, Thomas G. Albert, Jurist und alt Präsident Offiziersgesellschaft des Kt. Zürich sowie der Jungfreisinnigen Kt. Zürich (FDP), Guido Tognoni, Jurist und Sportmanager (SVP) angeführten Komitee unterstützt.

Fazit

  • Eine absolute „bürgerliche“ Kakophonie
  • Dem Komitee Büchi gehören prominente Mitglieder des Wirtschaftsflügels der FDP an, dem Komitee Szczogiel Vertreterinnen des links-liberalen Frauenflügels der FDP und zwei prominente Vertreter linker Parteien im Bezirk (welche sich ins Fäustchen lachen müssen, ob der Dissonanz in bürgerlichen Kreisen an der Goldküste…)
  • Die SVP Bezirk Meilen macht sich zum Thema kommender Fastnachtsreden im Bezirk, unterstützt sie doch aus unerklärlichen Gründen nicht den offiziellen und ausgesprochen bürgerlichen Kandidaten der FDP, sondern eine wilde, in FDP Farben antretende Kandidatin, welche nicht nur vom links-liberalen Frauen-Bürgertum im Bezirk, sondern von den beiden linken Polit-Schwergewichten Forrer und Mörgeli unterstützt wird.
  • Der Bezirkspräsident Meilen der FDP, Dominique Zygmont, wurde in seinem Vorstand überstimmt und ist trotzdem merkwürdigerweise der Meinung, dass eine FDP-Kandidaten-Auswahl in Ordnung sei…
  • Das Komitee Szczogiel ist leicht breiter abgestützt, aber eher mit Mitgliedern der 2. politischen Garde, linken Proponenten und einer grössere Anzahl, teils feministischer Frauenvertreterinnen, besetzt.
  • Dem BG Meilen könnten als vollamtliche Richterinnen und Richter bald nur noch 2 Männer und 10 Frauen angehören (ohne voll- und nebenamtliche Ersatzrichterinnen und Ersatzrichter, wobei auch bei diesen Chargen die Damen dominieren).